Joachim Günther - artikel

Schloss Osterstein gerettet


Besichtigung eines Pflegezimmers. Ein- und Zwei-Bett-Zimmer stehen zur Verfügung. Alle modernst ausgestattet - nicht einmal der Internetzugang fehlt.
"Schloss Osterstein ist ein Paradebeispiel für gelungenen Stadtumbau", befand Joachim Günther bei der feierlichen Eröffnung einer Pflegeresidenz in einem der architektonisch bedeutendsten Renaissance-Schlösser Sachsens. Der Bauexperte der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag will mit dem Beispiel Schloss Ostersteins deutschlandweit dafür werben, dass es sich lohnen kann, altes Gemäuer zu erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Zu viele architektonisch wertvolle Häuser seien noch dem Verfall preis gegeben und warten auf den irgendwann unvermeidlichen Abriss. "In Zwickau sieht man: Es geht auch anders."

Kurfürst Christian I. hatte die Schlossanlage von 1587 bis 1590 gebaut. Seither hat Schloss Osterstein eine wechselvolle Geschichte erlebt, wurde zum Beispiel als Gefängnis genutzt. Der Sozialdemokrat August Bebel war hier inhaftiert - ebenso Romanschriftsteller Karl May.

Heute wird Schloss Osterstein als Pflegeresidenz genutzt. Nachdem das alte Gemäuer zu DDR-Zeiten nahezu verfallen war, schlossen sich vor einigen Jahren engagierte Zwickauer zusammen, um das Schloss zu retten. Gelungen ist das der Projektgesellschaft Schloss Osterstein, die der Ruine zu neuem Glanz verhalf. 19 Millionen Euro - private Spendengelder und Steuermittel - flossen in Sanierung und Neubau.

Im März 2006 war mit den Sicherungsarbeiten begonnen worden. Kurz darauf, im Herbst, begannen die eigentlichen Bauarbeiten, erläutert Siegfried Heinze, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Schloss Osterstein. Wertvolle Zeitzeugen in Form von Fundamenten aus Gothik und Renaissance blieben auch nach der Sanierung erhalten. Ebenso der Dachstuhl auf dem Südflügel des Schlosses. Dieser stammt aus dem 16. Jahrhundert und war noch topp in Schuss. Der Westflügel der Schlosses hingegen konnte nicht gerettet werden. Nach dem kompletten Abriss erfolgte ein Neubau, der sich harmonisch ins Gesamtbild einfügt.

Die Senioren- und Pflegeheim GmbH Zwickau investierte zwei Millionen Euro in die Innenausstattung Schloss Ostersteins. Am 11. 11. ziehen die ersten Bewohner in die Pflegeresidenz. Es gibt Ein- und Zweibettzimmer - insgesamt 130 Pflegeplätze. "Es sind noch einige zu haben", informierte Lothar Ebersbach von der Senioren- und Pflegeheim GmbH. Und er versicherte, dass kein Pflegeplatz teurer ist als in anderen Heimen - trotz der exklusiven Ausstattung. So wurden die Pflegezimmer, die allesamt mit separaten Sanitärräumen, Fernseher und Internetzugang ausgestattet sind, in Wohngruppen zusammengefasst. Zu jeder Wohngruppe gehören Gemeinschaftsräume - so ein Wellnessbad, eine Küche und Wohnzimmer.

Wer von weither anreisen muss, um einen Bewohner der Pflegeresidenz zu besuchen, kann sich im Schloss einquartieren. Für diese Gäste wurden extra Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen.

Leider, so Lothar Ebersbach, wurde bislang noch kein Doktor gefunden, der die im Schloss eingerichtete Arztpraxis betreiben will. Physiotherapie-Praxis und Friseursalon jedoch seien bereits geöffnet und können nicht nur von Residenz-Bewohnern genutzt werden. "Das Schloss soll kulturelles Zentrum der Muldestadt werden", wünscht sich Lothar Ebersbach. "Ein Café wird eröffnet und in den Kellergewölben ein Restaurant. Es sollen Hoffeste, Lesungen und Theateraufführungen stattfinden. (10. 11. 2008)

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