Zug der Freiheit erinnert an Wendeherbst
Ein "Zug der Freiheit" erinnerte an die Ausreise der Prager Botschaftsflüchtlinge am 1. Oktober 1989 über DDR-Gebiet in die damalige Bundesrepublik. Der Sonderzug mit fünf historischen Wagen fuhr entlang der Original-Strecke von Prag über Dresden, Freiberg, Chemnitz, Reichenbach und Plauen nach Hof. In den Waggons waren Erinnerungstafeln aufgehangen worden, auf denen Schriftstücke der Stasi und Polizei von damals in Augenschein genommen werden konnten. Natürlich machte auch Joachim Günther davon Gebrauch.
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Am 30. September 1989 dann die Erlösung: FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet vom Balkon der Prager Botschaft aus, dass die Ausreise möglich geworden ist. Ein Ereignis, dass eine Lawine ins Rollen brachte und allen Bürgerbewegungen in der DDR Mut machte. In Zügen wurden die Ausreisewilligen ins oberfränkische Hof gebracht. Statt die direkte Strecke über Schirnding zu wählen, befahlen die DDR-Obersten, dass die Züge durch DDR-Gebiet fahren sollten. So kamen sie auch durch das Vogtland, wo Tausende die Strecke säumten.
Bei der Gedenkveranstaltung auf dem Plauener Hauptbahnhof erinnerten sich Botschaftsflüchtlinge und Zuschauer an die Ereignisse von damals. Hubert Kuhn aus Sömmerda war mit Frau und drei kleinen Kindern als erster in die Botschaft geflüchtet - am 1. Juli 1989. Er reiste am 1. Oktober 1989 im zweiten Zug in den Westen aus. Markus Rindt aus Dresden kam auf dem Bahnsteig zu Wort. Der junge Mann war damals mit seiner Freundin in die Botschaft geflüchtet und hoffte bei der Durchfahrt durch Dresden bekannte Gesichter zu sehen. Doch die Bahnhöfe entlang der Strecke - vor allem der in Reichenbach, wo die Loks getauscht werden mussten - waren hermetisch abgeriegelt. Die DDR-Oberen befürchteten, dass weitere DDR-Bürger versuchen würden, auf die Züge zu springen. Thomas Haubenreißer, heute Stadtrat für die FDP in Plauen, stand damals auf dem Bahnhofsvorplatz in der Spitzenstadt. Auch er erinnerte sich während der Gedenkveranstaltung an die Ereignisse an jenem 1. Oktober 1989.


Joachim Günther verfolgt mit FDP-Stadtrat Thomas Haubenreißer die Gedenkveranstaltung in der Bahnhofshalle. Entlang der Strecke Dresden - Plauen hatten die Züge erste Demonstrationen ausgelöst. Der öffentliche Widerstand wurde von da an auch in der DDR sichtbar, wurde aber zu Beginn gewaltsam niedergedrückt - so wie auch bei der 1. friedlichen Demonstration in Plauen am 7. Oktober 1989. Damals hatten nicht nur Staatssicherheit und Polizei eingegriffen. Auch die Berufsfeuerwehr war im Einsatz, leitete Wasserstrahle in die Menschenmassen. Auf der Bahnhofstraße kippten Kinderwagen samt Babys um - für die Plauener auch heute noch unvergessen.
In Gutenfürst, an der einstigen innerdeutschen Grenze, musste der Erinnerungs-Zug symbolträchtig eine Wassermauer durchfahren. Bei der Ankunft in Hof erwartete die Zugbesatzung (in Plauen gab es noch einige spontane Zusteiger) ein Erinnerungsfest. Dabei wurde unter anderem das Denkmal "Ankunft Prager Züge" eingeweiht. In der alten Kantine des Hofer Hauptbahnhofs stieg eine 80er Jahre Party, in der auch der Wende-Hit "Wind of Change" gespielt wurde.
Joachim Günther, der am 1. Oktober 1989, am Bahnübergang Plauen-Haselbrunn stand und die Züge sah, bezeichnete das Zug-Projekt zur Erinnerung als sehr gelungen. "Vieles ist doch inzwischen in Vergessenheit geraten. Da war es sehr gut, auf den Dokumenten von damals, die sich in Obhut der Gauck-Behörde befinden, nachlesen zu können."(2. Oktober 2009)


