Verbot von Nachtspeicheröfen würde private und Gemeinde-Haushalte finanziell belasten
Pressemitteilung vom 3. Dezember 2008 zu dem von der Bundesregierung geplanten Verbot von Nachtspeicheröfen
Um Kohlendioxid-Emissionen zu senken, will die Bundesregierung Nachtspeicheröfen verbieten. "Viele werden sehr tief in ihre Geldbörsen greifen müssen, wenn das Gesetz in Kraft tritt. Und nutzen wird das der Umwelt nichts", so der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther. Gutachter Prof. Dr. Joachim Weimann, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, hatte während einer Ausschuss-Sitzung erläutert, dass der CO2-Ausstoß nach Verabschiedung des Gesetzes sogar noch erhöht werde.
Sollten die Braunkohlekraftwerke nach Abschaltung der Nachtspeicheröfen tatsächlich im Grundlastbereich gedrosselt werden können, benötigten die Stromproduzenten weniger Zertifikate. "Die damit frei werdenden Emissionsrechte werden sie an der Emissionsbörse veräußern. Das heißt, die Emissionsreduktion, die in den Deutschen Kraftwerken erfolgt, wird dazu genutzt, an anderer Stelle mehr CO2 emittieren zu können", so Prof. Dr. Weimann. "Die privaten Haushalte, in denen die Nachtspeicheröfen abgeschaltet wurden, werden außerdem gezwungen, neue Heizungsanlagen einzubauen, die in aller Regel mit fossilen Brennstoffen betrieben werden und deshalb CO2 emittieren." Um diese Emissionen steige die Gesamtemission an CO2 an.
Verhindern könne die Opposition das Gesetz nicht. "Wir können nur versuchen, die Fristen zu verlängern. Die Bundesregierung hatte ursprünglich angedacht, die Nachtspeicheröfen in den nächsten fünf Jahren ersetzen zu lassen - unter Androhung erheblicher Strafen", so Joachim Günther. Er weiß, dass das Verbot von Nachtspeicheröfen nicht nur Privatleute hart treffen würde, sondern auch Gemeinden.
Syraus Bürgermeister Achim Schulz erläuterte ein Beispiel aus seiner Gemeinde: Um die Feuerwehrtechnik - Drehleiter, Tanklöschfahrzeug und Mannschaftswagen - auf Betriebstemperatur zu halten, so dass sie im Notfall unverzüglich aus der Garage gefahren werden kann, muss das Feuerwehrhaus kontinuierlich beheizt werden. Am kostengünstigsten ging das bislang mit Nachtstrom.Bei einem Verbrauch von12.400 kWh pro Jahr waren dafür im Brutto 1.512 Euro zu berappen. Würden die Öfen mit Normalstrom betrieben, beliefen sich die Kosten auf 2.619 Euro brutto. "Eine Umstellung der Heizung auf fossile Brennstoffe würde rund 8000 Euro kosten. Angesichts der vergleichsweise niedrigen Differenz bei den Stromkostenwürden wir uns wohl dafür entscheiden müssen, mit Normalstrom zu heizen. Wir müssten also in den sauren Apfel beißen und jährlich über 1000 Euro mehr aufbringen." In dem Fall, so Schulz, könne er nur hoffen, dass die Strompreise nicht weiter in die Höhe schießen. Das leer stehende, sanierte Schulgebäude, das die Gemeinde immer noch zu vermieten hofft, ist übrigens auch mit Nachtspeicheröfen ausgestattet.
Veröffentlichung im Vogtland-Anzeiger vom 5. 12. 2008 lesen



