Orgelbauer erobern russischen Markt
Als einziger Orgelbauunternehmer des Vogtlandes erobert Thomas Wolf derzeit den russischen Markt. Der polnische soll folgen. Wolf ist seit 30 Jahren selbst ehrenamtlicher Organist. Wie Zinn- und Holzpfeifen entstehen, erläuterte er jetzt während eines Betriebsbesuches dem FDP-Bundestagsabgeordneten Joachim Günther.
Die Orgeln zweier Kirchen der Region rekonstruiert Orgelbaumeister Thomas Wolf aus Limbach derzeit bereits. Die Neumarker Orgel wird aufgearbeitet, die Pfeifen liegen fein säuberlich geordnet in der Werkstatt. Bei der Rekonstruktion der Schönecker Orgel ist der erste Bauabschnitt bereits beendet. 2009 soll der Auftrag an der Bärmig-Orgel in der evangelisch-lutherischen Stadtkirche St. Georg in Schöneck beendet sein. Für eine dritte, die Orgel der Treuener Kirche, hat Thomas Wolf soeben den Auftrag erhalten.
Beim Betriebsbesuch des Bundestagsabgeordneten Joachim Günther berichtete Wolf, dass es 250 Orgelbaufirmen in Deutschland mit derzeit etwa 3000 Mitarbeitern gibt. Sein eigenes Unternehmen hat zehn Beschäftigte und tritt auch als Subunternehmer und Zulieferbetrieb größerer Orgelbaufirmen auf. Denn die Limbacher Firma produziert im Gegensatz zu anderen alle Teile für Orgelbau selbst. So profitiere er mitunter auch von Aufträgen, für die ein anderes Unternehmen den Zuschlag bekommen hat, erläuterte Thomas Wolf weiter. Zum Beispielte baute die Limbacher Firma sechs Meter lange Holzpfeifen für einen Auftrag in Russland. Thomas Wolf und seine Mitarbeiter wirkten sowohl bei der Restaurierung der Orgel im Dom von Kaliningrad mit als auch bei einem Auftrag in St. Petersburg.Thomas Wolf, der als 13-Jähriger mit dem Orgelspiel begann, ist mittlerweile seit fast 30 Jahren ehrenamtlicher Organist in der Katholischen Kirche Netzschkaus. Er hat nach einer Tischlerlehre 1983 Orgelbau gelernt und 1995 in dem Fach eine Meisterausbildung absolviert. Seine Firma feierte jetzt Jubiläum, besteht seit zehn Jahren. Nach der EU-Ost-Erweiterung sieht Wolf für sich ein neues Betätigungsfeld in Polen. Sein Vater stamme aus Schlesien, dort wolle er nächstes Jahr erste Kontakte knüpfen. Dabei kommt ihm zupass, dass seine Auftragsbücher für 2008 bereits jetzt zu 90 Prozent gefüllt sind.
Thomas Wolf arbeitet nicht nur als Restaurator. Die Coburger freuen sich über Musik aus einer von Wolf selbst gebauten Orgel, die im Albertinum, einem musischen Gymnasium, steht. Auch einige Truhenorgeln (Wert mindestens 15000 Euro) hat der Limbacher Unternehmer bereits auf den Markt gebracht. Eine solche Truhenorgel – mit 54 Pfeifen – wird gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit häufig ausgeliehen.
Neben Holzpfeifen fertigt die Firma Wolf auch welche aus Zinn. Für die Holzpfeifen werden vor allem heimische Hölzer verwendet – Kiefer, Fichte, Buche, Eibe, aber auch Edelkastanien und Ebenholz.
In den Ländern, die im 17. und 18. Jahrhundert in Deutschland als die reicheren galten, sei der Anteil an Zinnpfeifen in den Orgeln jedoch höher. „Das ist zum Beispiel in Sachsen so.“ Immer wieder falle das bei Restaurierungsarbeiten auf. „Im Gegensatz dazu ist in Thüringen der Anteil der Holzpfeifen fast immer größer als der der Zinnpfeifen“, so Wolf. (18. Dezember 2007)


