Joachim Günther Pressemitteilungen

Olympia-Boykott bringt nichts

Pressemitteilung vom 10. April 2008

Die Vorkommnisse in Tibet sind menschenverachtend. Wir alle wissen, dass die Menschenrechte unantastbar ist, und wir werden stets unsere ganze Kraft für deren Erhaltung einsetzen.

Wie jetzt aber wieder die Olympischen Spiele und somit die Sportler für die Politik eingesetzt, ja geradezu benutzt  werden sollen, ist aus meiner Sicht sehr fragwürdig. Viele Politiker haben davor gewarnt, die Spiele nach China zu vergeben. Sportfunktionäre und nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen aber sorgten dafür, dass das geschah. Alle – Politiker, Sportfunktionäre, Unternehmer – kannten damals schon den Jahrhunderte währenden Streit um Tibet. Dass sich ein kommunistisches Regime nicht mit der Vergabe eines Großereignisses erpressen lassen würde, war jedem klar, der schon einmal unter solch einem Regime gelebt hat.

Ich würde es lieber sehen, wenn die Wirtschaft bei ihren Großprojekten die gleichen Maßstäbe ansetzen würde, die sie jetzt im Sport fordert. Ich begrüße deshalb uneingeschränkt die Voraussage des DOSB, dass es zu keinem Boykott der Olympischen Spiele von Peking kommen wird.

Viele Athleten haben jahrelang trainiert, um sich den Traum von Olympia zu erfüllen. Deshalb sollte sich der Sport strikt an die Olympische Charta halten. Diese zeigt den Rahmen, in dem sich Sportler bewegen und äußern können, klar auf. Wettkämpfe und Siegerehrungen sollten auch in Peking nicht für politische Aktionen genutzt werden. Ich bin außerdem nicht dafür, Sportler gezielt zu Aktionen außerhalb der Stadien zu veranlassen. Ich gehe vielmehr davon aus, dass Sportler mündige Bürger sind. Wenn diese ihrer Meinung im Umfeld von Stadien Gehör verschaffen wollen, sollen sie das tun dürfen. Zum Beispiel im Dialog mit chinesischen Sportlern oder Sportlern aus anderen Ländern, in denen es heute noch Diktaturen gibt. Diese Kontakte sind wichtiger als jeder Boykott und tragen zur Meinungsbildung bei.

Ob der Sportausschuss des Deutschen Bundestages selbst die Olympischen Spiele besuchen wird, sollte man kurz vorher entscheiden.

Ich finde es schade, dass der Sport immer wieder missbraucht wird, um politische Ziele durchzusetzen. Zumal es in China  mehr Menschenrechtsverletzungen gibt, als vom Thema Tibet umfasst werden.

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