Mehr Geld für Doping-Bekämpfung
Joachim Günther schlug heute im Plenum vor, einen Teil der Sponsorengelder im Sport für die Dopingbekämpfung auszugeben. Wenn nicht mehr Geld investiert werde, könnten die Dopingbekämpfer auch in Zukunft nicht Schritt halten mit den Entwicklungen der Pharmaindustrie.
Mit 700 Millionen Euro hat der Bund von 2002 bis 2005 den Spitzensport in Deutschland gefördert. Das sagte Sportminister Wolfgang Schäuble heute im Plenum, als er den Sportbericht der Bundesregierung vorstellte. 79 Athleten werden für die Bundesrepublik bei den Olympischen Spielen in Peking an den Start gehen. Schäuble hob die immer größer werdende Bedeutung der Wirtschaft als Sponsor des Sports heraus, denn allein mit Steuermitteln könne man den Spitzensport im Land nicht fördern.
Die schlimmste Gefahr für den Sport sei, dass die Regeln nicht mehr beachtet werden, sprach Schäuble das Thema Doping an. Allerdings habe er – gerade auch nach den jüngsten Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen – die Hoffnung, dass es in Peking saubere Spiele geben könnte. Denn nicht nur die Bundesregierung habe sich um eine bessere Dopingbekämpfung bemüht, auch die Chinesen hätten im Vorfeld der Spiele die Kontrollen verstärkt.
Auch Joachim Günther hatte für seine Rede neben dem Sportstättenbau das Thema Doping gewählt. Das Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport habe einen langen Weg hinter sich. Von den angekündigten Maßnahmen sei leider nicht mehr viel im Gesetz festgeschrieben, „deshalb wird es besonders spannend, wie das jetzige Gesetz umgesetzt wird und wie man vor allem Personen begegnet, wie man mit denen umgeht, die bereit sind, über den Umgang mit Doping auszusagen.“
Joachim Günther bezog sich auf den in der ARD am 2. Juni 2008 ausgestrahlten Report aus München. In einem Beitrag wurde der Fall Jörg Jaksche erörtert. Jaksche ist wohl der einzige wirkliche „Kronzeuge“ im Dopingskandal des Deutschen Radsports. Selbst noch aktiv, machte er reinen Tisch, sprach über flächendeckendes Doping und nannte die Namen der Hintermänner. Damit hat er einen Tabubruch begangen, was dazu führt, dass ihn kein Rennstall mehr unter Vertrag nahm und er seine Karriere beenden musste. Joachim Günther im Bundestag: „Lassen Sie mich ein Zitat von Jörg Jaksche aus dieser Reportsendung vortragen: ,Es ist eine Zweitwelt, in der man lebt im Radsport, die komplett abgeschottet ist vom normalen Leben. Also, das heißt, man erzählt, man lügt den Journalisten, der Familie und so weiter eigentlich offenen Auges ins Gesicht und sagt nein, das ist alles im Radsport nicht so. Natürlich ist das im Radsport so!’“
Günther weiter: „Die dort genannten Rückfragen an sportliche Leiter verschiedener Mannschaften zeigen, dass es nach wie vor kein Interesse zur Aufklärung und zum Austrocknen des Dopingsumpfes im Radsport gibt.“
Mit Blick auf Olympia in Peking sagte Günther, dass die internationale Zusammenarbeit bei der Dopingbekämpfung deutlich verbessert werden müsse. Und die finanzielle Grundlage dafür müsse auf ein neues Niveau gehoben werden, so dass die Kontrolleure nicht ständig hinter den Entwicklungen der Pharmaindustrie herhinken. „Ich könnte mir vorstellen, 0,5 Prozent jedes Sponsorbeitrages international für die Dopingbekämpfung zu nutzen.“ Die NADA, so der Theumaer, leiste gute Arbeit. Die FDP wolle diese auch weiter unterstützen.
Zum Bedarf beim Sportstättenbedarf sagte der Abgeordnete: „Der DOSB hat schon vor 2, 3 Jahren den Sanierungsbedarf bei Sportstätten aufgelistet – mit erschreckenden Zahlen.“ Die nötigen 40 Milliarden Euro könne keiner mit einem Mal aufbringen. „Aber diese Sanierungsfälle sind nicht nur ein Finanzproblem, sie bieten auch die Chance, zukunftsorientierte Konzepte zu erarbeiten, die mittelfristig auch zu maßgeblichen Kostensenkungen führen können. In den vergangenen Jahren haben wir mit dem Goldenen Plan jährlich ein bis zwei Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Damit werden vor allem die maroden Sportstätten im Osten gefördert.“ Über dem enormen Aufholbedarf im Osten dürfe man jedoch nicht vergessen, dass auch in den Altbundesländern ein großer Sanierungsbedarf aufgelaufen sei. Günther plädierte dafür, dem Problem mit einem gesamtdeutschen Plan zu Leibe zu rücken. (5. Juni 2008)
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