Joachim Günther - Im Wahlkreis unterwegs

Landwirte vor dem Ruin

Die Preise, die mit dem Verkauf von Feldfrüchten oder Milch gegenwärtig zu erzielen sind, sind im Keller. Vor allem den großen Agrargenossenschaften in Ostdeutschland macht das zu schaffen. "Auf den kleinen Bauernhöfen in Bayern arbeiten Oma und Opa unentgeltlich mit. Deshalb halten die Bauern dort länger durch. Aber wir? Wir können niemanden in Kurzarbeit schicken, bis sich die finanzielle Lage entspannt. Die Tiere müssen versorgt, die Felder und Wiesen bewirtschaftet werden." Weil sie kurzfristig Hilfe brauchen, wenden sich landauf, landab Vertreter der Bauernschaft jetzt an Politiker aller Parteien. Auch bei Joachim Günther waren Vertreter des regionalen Bauernverbandes im Vogtland zu Gast.

"Es ist fünf vor Zwölf", sagen die vogtländischen Landwirte. Sie erläuterten Joachim Günther während eines Treffens am 10. Juli, dass der Milchabgabepreis mindestens 30 Cent/Liter betragen müsste, sollen die Landwirte ordentlich wirtschaften können. "Es kann doch nicht sein, dass Schuhcreme, die aus verrecktem Vieh hergestellt wird, teurer verkauft wird als ein Stück Butter, für dessen Herstellung man mindestens 4 Liter Milch braucht", sagte Klaus Rank von Agroform 2000. Die Realitäten würden nicht gewahrt. In anderen europäischen Ländern, wie Österreich, sei das anders. Dort koste ein Stück Butter etwa 1,99 Euro.

Die Bauern haben konkrete Vorstellungen, wie erreicht werden kann, dass sich Landwirtschaft auch wieder lohnt. Sie schlagen vor, dass z. B. für den Milchpreis eine Untergrenze festgesetzt wird. Ähnlich der Obergrenze, die das Kartellamt im Herbst 2007 festlegte, als der Liter Rohmilch 40 Cent kostete. Außerdem meinen die vogtländischen Bauern, dass es sinnvoll wäre, zurückgegebene Milchquoten nicht wieder auf den Markt zu bringen. So könnte die Überproduktion minimiert werden.

Ärgerlich sei auch, dass dem Projekt "Biodiesel" durch den Gesetzgeber die Rentabilität genommen wird. "Wir können nur hoffen, dass die Produktion nicht so weit zurückgeht, dass auch noch der Rapspreis in den Keller rutscht", so Gunter Hommel von der Agrargenossenschaft Theuma. Für alle anderen Feldfrüchte sei er nämlich schon dort. Zum Beispiel auch für die Braugerste.

Joachim Günther kennt die Probleme der Landwirte, wenngleich Landwirtschaft nicht sein Fachgebiet ist. Er machte die Vogtländer darauf aufmerksam, dass seine Fraktion als einzige Anträge zum Agrardiesel eingebracht habe, die aber von CDU und SPD abgelehnt worden seien. Außerdem setze sich die FDP seit Jahren dafür ein, keine Subventionen mehr dafür zu bezahlen, dass möglichst viel Milch und Fleisch produziert wird. Zudem habe die FDP Vorschläge für Soforthilfen unterbreitet und sich dafür stark gemacht, dass die Bundesregierung sofort etwas unternimmt, um die Situation der Landwirte zu verbessern. Zum Beispiel durch das unbürokratische, vorzeitige Vorziehen der Auszahlungen von Direktzahlungen schon im Sommer. Auch die Liquidität der Milchbauern über zinsverbilligte Kredite sei zu verbessern, so die FDP-Meinung. Das Anbauverbot von gentechnisch verändertem Mais schade den heimischen Milchbauern, da es die Futterkosten nach oben treibe.

Joachim Günther versicherte den Bauern, dass sich die FDP auch weiter für Chancengleichheit aller europäischen Landwirte einsetzen möchte. Auch er weiß, dass die Dörfer ohne Landwirtschaftsbetriebe aussterben würden. Zudem sei eine kultivierte Landwirtschaft auch für den Tourismus unverzichtbar. Und gerade in Günthers Wahlkreis soll ja der Wirtschaftszweig Tourismus weiter ausgebaut werden. (10. Juli 2009)

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