Joachim Günther glaubt an Jogis Jungs
„Wenn unsere Mannschaft am Samstag gegen Argentinien genauso entschlossen auftritt wie gegen England, wird es eine Halbfinalbegegnung mit deutscher Beteiligung geben. Da bin ich ganz sicher“, sagt Joachim Günther, sportpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Gemeinsam mit Innenminister Thomas de Maizière hat er das Achtelfinale gegen England live im Stadion gesehen und war heute Morgen von seiner dreitägigen Afrika-Reise nach Berlin zurück gekehrt. „Nachdem man im Vorfeld so viel über die Erzfeindschaft beider Mannschaften lesen musste, war ich angenehm überrascht, in Südafrika deutsche und englische Fußballfans einträchtig nebeneinander zu sehen. Sie haben auch nach dem Spiel friedlich zusammen gestanden und bei einem Bier das Spiel ausgewertet. Trotz des nicht gegebenen Tores, das das 2:2 hätte sein müssen, haben die Engländer anerkannt, dass unsere Mannschaft klar besser war und verdient gewonnen hat. Selbst Rolling Stone Mick Jagger, der nur ein paar Plätze neben mir saß, hat das so gesehen“, sagt Günther. (29. Juni 2010)


Die deutsche Delegation traf sich mit der südafrikanischen Frauen-Nationalelf, die kommendes Jahr zur Frauen-WM in Dresden spielen wird. Bei Deutschland : England waren genauso viele Deutsche im Stadion wie tags zuvor bereits in Rustenburg beim Spiel Ghana : USA. „Als es Zeit war, die Reise zu buchen und Karten zu kaufen, wusste ja noch niemand, ob Deutschland Gruppenerster oder –zweiter würde. Deshalb haben sich die meisten deutschen Fans Karten für beide Achtelfinal-Begegnungen unserer Gruppe gesichert.“ Auch Joachim Günther war deshalb in Rustenburg. Unübersehbar war dort der deutsche Block, als Ghana in Führung ging. „Es wäre aber auch zu schade gewesen, wenn die einzige noch im Turnier verbliebene afrikanische Mannschaft schon hätte ausscheiden müssen“, so Günther. Deshalb hätten die Sympathien den Afrikanern gegolten. Die große Enttäuschung von Ex-US-Präsident Bill Clinton, der das Spiel einige Reihen hinter der deutschen Delegation verfolgte, konnte der Vogtländer jedoch verstehen. „Ich hoffte zu dem Zeitpunkt nur, dass wir am Sonntag nicht


Nahe Pretoria und Johannesburg wurden zwei Kunstrasenplätze für den Fußballnachwuchs eingeweiht. genauso bedröppelt aussehen würden.“ Bedenken, die sich als überflüssig erwiesen.
Vor dem England-Spiel trafen sich die deutschen Politiker mit Sicherheitskräften aus Deutschland und England sowie den Fanbeauftragten beider Länder. Dort waren auch sehr viele Fans versammelt und tauschten sich aus – unter anderem über Premier League und Bundesliga. „Ich war etwas überrascht, als mich dort – inmitten des Getümmels - zwei mir fremde Männer mit Namen ansprachen. Wie sich herausstellte zwei Fußballfans aus Oelsnitz.“


Den zweimaligen Weltfußballer Lothar Matthäus traf die deutsche Delegation am Rand des England-Spiels. Joachim Günther ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses, sondern auch Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Als solches war für ihn besonders interessant mehr über die Projekte zur Bekämpfung von Aids auf dem schwarzen Kontinent zu erfahren. Zudem gab es Gespräche zur Sicherheitslage in Südafrika. „Richtig viel Spaß gemacht hat die Einweihung von Kunstrasenplätzen nahe Pretoria und Johannesburg. Die Begeisterung der Afrikaner für den Fußball ist selbst für mich als deutschen Fußballfan unglaublich“, so Günther. Die Sport-Projekte seien gerade in den Armenvierteln der Großstädte und in den ländlichen Räumen sehr wichtig, wo die Jugendkriminalität und –gewalt viel höher sind als in anderen Wohnbezirken. Günther: „Den Kindern und Jugendlichen werden in diesen Fußball-Schulen Alternativen geboten. Sie bekommen eine Ausbildung am Ball und träumen alle davon, irgendwann gut genug zu sein, um in Europa einen Profi-Vertrag zu bekommen und so ihren Slums zu entfliehen.“

