Joachim Günther - Sport

Gewalt in Fußballstadien: Bund soll Fanprojekte unterstützen

Als Mitglied des Sportausschusses spricht sich Joachim Günther für eine stärkere Förderung der Fußball-Fanprojekte auch seitens des Bundes aus. Es werde in den Fanprojekten unheimlich wertvolle Sozialarbeit geleistet, allerdings haben viele Projekte nur sehr wenig finanziellen Spielraum. So könnten benötigte Sozialarbeiter oft nicht eingestellt werden beziehungsweise keine kontinuierliche Arbeit geleistet werden.


In den vergangenen Monaten hat es immer wieder Fanausschreitungen am Rande von Fußballspielen gegeben. Vor allem die Fans einstiger DDR-Vorzeigeclubs, die heute nur noch in Liga 3, 4 oder 6 eine Rolle spielen, neigen verstärkt zu Gewaltbereitschaft. Immer wieder für Negativschlagzeilen sorgen zum Beispiel die Fans von Sachsen Leipzig, Dynamo Dresden, dem Chemnitzer FC und dem FSV Zwickau, aber auch andere. So randalierten im Februar im Anschluss an das verlorene Sachsenpokalspiel von Lok Leipzig gegen den FC Erzgebirge Aue II Lok-Fans. Am Rande des Zweitligaspiels von Aue gegen Köln lieferten sich Kölner Fans ein Gefecht mit der Polizei. Erwähnt werden muss natürlich auch der "Überfall" Cottbuser Fans, die nur zum Randalieren zum Oberligaspiel ihrer zweiten Mannschaft nach Auerbach gekommen waren. Und jedes Mal gab es Verletzte – auf Polizei- wie auch Fanseite.

Die Fußballstadien drohen zu Orten zu verkommen, an denen frustrierte Jugendliche ein Ventil für angestauten Ärger finden und gewalttätig werden. "Deshalb muss jetzt endlich mit aller Konsequenz gehandelt werden", fordert Joachim Günther - auch mit Blick auf die Kosten von Polizeieinsätzen bei Fanrandalen. Diese Gelder müssten künftig schon viel früher investiert werden: in Gewaltprävention nämlich.

Joachim Günther ist der Meinung, dass sich der Bund dabei nicht aus der Verantwortung stehlen und diese allein den Ländern und Kommunen aufs Auge drücken kann. Deshalb stellte er jetzt eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung:

Ist die Bundesregierung der Meinung, dass die Gewaltprävention im Sport eine Angelegenheit von Ländern, Kommunen und Sport sei und dementsprechend eine Finanzierung dieser auf Bundesebene keine Bedeutung haben sollte?

Die Bundesregierung ist der Meinung, dass der Sport eine hohe gesellschaftliche Bedeutung hat; unter den entsprechenden Rahmenbedingungen ist Sport ein hervorragendes Mittel zur Kommunikation und Integration. Nur teilweise zeichnen sich, ebenso wie in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen, Entwicklungen ab, auf die mit repressiven und präventiven Mitteln reagiert werden muss. Gerade im Bereich des Fußballs mit seinen zirka 8000 Spielen pro Wochenende haben sich Bund, Länder und Kommunen sowie der Deutsche Fußballbund (DFB) und die Deutsche Fußballliga (DFL) im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit zusammengeschlossen udn ein breit angelegtes Konzept der Sicherheit erarbeitet. Dieses "Nationale Konzept Sport und Sicherheit" wird von allen getragen und enthält ein klares Bekenntnis zur Fanarbeit und deren Finanzierung. Mitglied im Ausschuss ist auch die Koordinierungsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend (KOS), die derzeit 33 Fanprojekte betreut.

Gewaltprävention bedeutet aber nach Meinung der Bundesregierung auch, die Maßnahmen ganzheitlich und aktuell zu bewerten. Deshalb wurden der Nationale Ausschuss Sport und Sicherheit und eine Projektgruppe der LÄnder und des Bundes damit beauftragt, ein aktuelles Lagebild und Maßnahmeeinsätze zu erarbeiten. Nach dem nun vorliegenden Bericht sollen insbesondere die bewährten Konzepte des Profifußballs auf die unteren Ligen ausgedehnt werden, um auch dort bereits präventiv zu wirken. Derzeit betreiben dem Bericht zufolge im Bereich der Oberliga 59 Vereine selbst eine aktive Fanarbeit, während 99 Vereine hierzu keine Angaben machen können. An 20 Standorten der Oberliga findet Sozialarbeit mit Fußballfans statt. In das Netzwerk der Koordinierungsstelle Fanprojekte sind fünf Projekte integriert.

Als präventive Ansätze werden in dem Bericht vorgeschlagen und ausdrücklich von der Bundesregierung unterstützt:
- die Intensivierung der Zusammenarbeit von Vereinen, Verbänden und Kommunen, Polizei und Fans in öffentlichen regionalen Ausschüssen Sport und Sicherheit.
- die Benennung von Sicherheitsverantwortlichen.
- die Einrichtung von Fanprojekten und Fanbetreuung durch die Vereine.
Ergänzt werden diese Maßnahmen durch die enge Zusammenarbeit mit der neu gebildeten Task Force des DFB.
Die Unzufriedenheit im Fanbereich im Vorfeld der FIFA-WM 2006 wurde vom damaligen Bundesinnenminister zum Anlass genommen, direkte Gespräche mit der Koordinierungsstelle und Fanbeauftragten zu führen und die Diskussion über einen Ombudsmann in den DFB hinein zu tragen. Die Bundesregierung kommt damit ihrer Verantwortung im Bereich der Gewaltprävention nach. (27. 4. 2007)

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