Ein Paradies für Musiker


Das Musikhaus Jürgen Voigt in Markneukirchen ist ein Familienbetrieb, der Blechblasinstrumente herstellt und in aller Herren Länder verkauft. Zu DDR-Zeiten war die Schalmei eines der sehr stark subventionierten Musikinstrumente. Für 75 Ostmark war sie im Laden zu haben – wenn sie dort vorrätig war, selbstverständlich. Denn damals produzierten die Blechblasinstrumente-Hersteller viel für den Export. Heute kann man Schalmeien überall kaufen, sogar direkt bei den Produzenten, wie im Familienbetrieb Jürgen Voigt im Marnkeukirchener Gewerbegebiet. Ab 680 Euro ist solch eine Schalmei heute zu haben, erläuterte Geschäftsführerin Kerstin Voigt dem FDP-Bundestagsabgeordneten Joachim Günther bei dessen Betriebsbesuch.
1995 hatten die Voigts von der Treuhand viele Werkzeuge gekauft, unter anderem auch, um Schalmeien herstellen zu können. 250 Schalmeien-Orchester werden durch das Markneukirchener Unternehmen heute betreut. Neue Instrumente werden gebaut – oft auch nach individuellen Kundenwünschen, alte werden repariert und gewartet. Mittlerweile wurde der hauseigene Werkzeug- und Vorrichtungsbau erweitert. Die Firma Jürgen Voigt ist so auch Zulieferer für andere Musikinstrumenten-Hersteller.
Der Platz in der Produktionshalle im Gewerbegebiet war zu eng geworden. Deshalb hatten die Voigts vergangenes Jahr eine weitere Produktionshalle angebaut. Investitionsvolumen: 250000 Euro. Dorthin wurden mittlerweile alle Arbeitsgänge ausgelagert, die besonders lärmintensiv sind. Werkzeug- und Vorrichtungsbau gehören dazu – ebenso Rohrzieherei und Stanzerei. 26 Arbeitnehmer beschäftigt die Familie Voigt. Darunter zwei einstige Langzeitarbeitslose über das Programm „Vital ab 50“. Nicht jeder Arbeitnehmer müsse hoch qualifiziert sein, sagt Kerstin Voigt. Es gebe auch Arbeitsgänge, die jeder lernen kann.
Doch die hoch qualifizierten Mitarbeiter brauche die Firma natürlich auch. Solche zu finden, sei enorm schwierig. Deshalb bilde die Firma selbst aus. Doch auch unter den Ausbildungsanwärtern sei die Auswahl nicht sonderlich groß. Die Arbeit, die verrichtet werden müsse, sei anstrengend, dreckig, laut und zum Teil auch weniger gut bezahlt als ein sauberer Bürojob. Deshalb gebe es nur selten Bewerber um einen Ausbildungsplatz, deren Notendurchschnitt besser als 4 ist. Ein Dilemma: Denn gerade in Mathematik, Physik und auch Chemie seien gute Kenntnisse Grundvoraussetzung für einen guten Arbeiter in der Blechblasinstrumenten-Herstellung.
Joachim Günther freute zu hören, dass sich die Firma Voigt – vor allem auch dank ihres immer aktuellen Internetauftritts – auf dem Markt etabliert habe. Die Aufträge kommen aus allen Teilen der Welt. Von Orchester-, Solo- und Kirchenmusikern, Musikclowns und Alleinunterhaltern. Vor allem auch die Nischenproduktion laufe sehr gut. Körperlich Behinderte und Menschen mit zu kurzen Fingern bekommen bei Voigts in Markneukirchen Instrumente, die für sie maßangefertigt wurden. Musikclowns, die bereits Instrumente bezogen haben, lassen diese erweitern. Und noch ein Trend habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt herauskristallisiert. Immer mehr Musiker möchten Musikstücke gerne auf Instrumenten spielen, wie sie zu Lebzeiten des jeweiligen Komponisten aussahen. So fertigte die Firma Jürgen Voigt erst kürzlich einen Satz Barockinstrumente, der über Finnland nach Estland geliefert wurde. Auch am weltberühmten Bolschoitheater und dem Broadway spielt man auf Sonderanfertigungen der Markneukirchener Voigts.
Tuba, Trompete, Posaune, Schalmei – es gibt kein Blechblasinstrument, das Voigts nicht bauen würden. „Wir machen aus einem Kilo Messingblech rund 4000 Euro“, erläuterte Seniorchef Jürgen Voigt im Gespräch mit Joachim Günther. Und dabei haben auch die vogtländischen Blechblasinstrumentehersteller mit den rapide steigenden Rohstoffpreisen zu kämpfen. Allein 2006 sei der Materialpreis um mehr als 100 Prozent gestiegen. Kein Wunder also, wenn Kunden hierzulande auch auf Billiginstrumente aus Fernost setzen. „Wir haben die Instrumente hier im Laden, würden sie auch verkaufen. Aber zuvor erläutern und vor allem zeigen wir den Kunden den Unterschied zu unseren Produkten. Kaum einer entscheidet sich danach dann noch für das Billiginstrument“, so Jürgen Voigt. Selbst die Chinesen würden mittlerweile auf europäische Qualität setzen. „Es gibt eine große, ganz gut betuchte Mittelschicht in China, die die eigenen Billigprodukte nicht mag. Viele Chinesen beziehen ihre Instrumente jetzt auch bei uns“, sagte Kerstin Voigt.


