Joachim Günther Olympia-Tagebuch

Ein Fazit aus Sicht des Politikers

Der Besuch der Olympischen Spiele in Vancouver ist für mich ein beeindruckendes Erlebnis gewesen. Es gibt eine Vielzahl von Dingen, über die es sich lohnt, noch einmal detailliert nachzudenken und sicher auch im Sportausschuss im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Olympia 2018 in München zu diskutieren.
Als erstes, und das möchte ich nicht unerwähnt lassen, sollte man sich bei den Kanadiern für die hervorragende Gastfreundschaft bedanken. Es war einfach faszinierend, wie sich die Menschen von Vancouver, die aus aller Herrn Länder stammen, mit der Olympiade identifizieren. Und dies auch in aller Freundlichkeit gegenüber den Gästen zum Ausdruck bringen.

Der nächste Eindruck waren die Wetterkapriolen. Neben deftigsten Regenschauern, Nebel und der strahlenden Sonne von Whistler war alles vertreten. Sicher haben diese Wetterkapriolen auch Einfluss auf den Ausgang einiger Wettbewerbe. Aber Wintersiele sind nun einmal Freiluftveranstaltungen.

Ein Punkt, den es auf jeden Fall, vor allem auf sportlicher Seite zu diskutieren gibt, sind die immer extremer werdenden Sportanlagen. Die extreme Abfahrt sowie die Bob- und Rodelbahn gaben Anlass zu vielen Diskussionen. Ganz unschuldig ist hier das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht, das bei der Rodelbahn-Planung eine Geschwindigkeit von 137 km/h vorgab. Bei dem immer schneller werdenden Material gibt es wohl niemanden, der vorher genau die Geschwindigkeit in solche einem Eiskanal berechnen kann. Und man darf sich dann nicht wundern, wenn es zu so vielen Unfällen kommt wie in Whistler. Hier muss kategorisch von dem Rekord-Denken Abstand genommen werden. Es muss aus meiner Sicht von vornherein eine Begrenzungen bei der Neigung von Bahnen geben, denn die Gesundheit der Aktiven steht an erster Stelle.

Im Bus wurden alle Olympia-Besucher zu den Wettbewerben gebracht. Zwischendurch gab es Sicherheitskontrollen.
Im Bus wurden alle Olympia-Besucher zu den Wettbewerben gebracht. Zwischendurch gab es Sicherheitskontrollen.
Interessant war es, die Vielfältigkeit der Olympischen Mannschaften in Kanada zu sehen. So gab es die so genannten „Exoten“, die mit einer riesigen Begeisterung und zum Teil den tollsten Ausrüstungen und Modeeffekten an dieser Olympiade teilnahmen. Bei ihnen zählt wirklich noch die Olympische Idee an erster Stelle. Sie sind mit Spaß dabei, obwohl sie kaum Medaillen-Aussichten haben.

Dass es zu organisatorischen Problemen bei der Olympiade in einem Ausmaß kommt, wie es bisher selten der Fall war, hat überrascht. Lange Wege zu den Sportstätten, die es kaum zulassen, zwei oder drei Sportwettbewerbe an einem Tag zu besuchen, sollten auch ein Fingerzeig in Richtung München und Garmisch-Partenkirchen sein. Dort hätten wir eine Olympiade der kurzen Wege. Eine optimale, öffentliche Verkehrsanbindung der jeweiligen Sportstätten ist unabdingbar. Dass zum Teil gekaufte Eintrittskarten in Vancouver/Whistler nicht genutzt werden konnten, hing sicher auch mit dem Wetter zusammen, weil ganze Schneehänge ins Rutschen kamen. Dennoch gibt es hier bei vielen Fanclubs Unverständnis. Auch weil kaum Alternativen geboten werden, für die entgangene Veranstaltung eine andere zu besuchen.

Im Eishockey und Eiskunstlaufen gehen die Schwarzmarktpreise in utopische Höhen. Angeblich wurden auf dem Schwarzmarkt Preise bis zu 5000 Kanadische Dollar für das Endspiel im Eishockey geboten. Aber auch die normalen Eintrittspreise waren nicht von Pappe. So kostete eine Karte für die Paarlaufveranstaltung im Eiskunstlauf 450 Dollar. Auch das gilt es zu bedenken, sollte München den Zuschlag erhalten und geplant werden. Olympische Spiele müssen für die breite Masse offen und bezahlbar sein.

Wirtschaftlich ist Olympia für den Raum Vancouver ein Erfolg. Unter diesem Aspekt gibt es die Olympia-Bewerbung für 2018 in München und Garmisch vorzubereiten. Als Vogtländer kann ich nur sagen, dass es schade ist, dass es bei uns keine geeignete Region gibt, denn die Arbeitsplätze, die man durch Olympia nachhaltig schaffen kann, würden auch uns sehr gut tun. (22. Februar 2010)

Vancouver 2010


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Paralympics

Vom 12. bis 21. März finden in Vancouver, im Anschluss an die Olympischen Winterspiele, die Paralympics statt. Joachim Günther gab der Paralympics Zeitung im Vorfeld ein Interview. lesen