Antidopingkampf auf gleicher Augenhöhe führen
Rede im Deutschen Bundestag nach Doping-Geständnissen deutscher top Athleten am 5. Juli 2007
Sehr geehrter Herr Präsident,liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn man über Doping spricht und eventuell Vorschläge unterbreitet, ist es heutzutage ratsam vorher einmal in den Fernseher zu schauen. Man weiß ja nie, wer gerade ein Geständnis in welche Art abgelegt hat und wer wen belastet hat. Jaschke war sicherlich nicht der letzte spektakuläre Fall und die Tour de France beginnt am Samstag in London.
Gegenwärtig schlägt es vor allem beim Radsport zu. Blauäugig wäre es zu glauben, dass es in allen anderen, vor allem in Kraft- und Ausdauersportarten, völlig rein und sauber zugeht.
Vielleicht wurde sich zu lange vor der Realität geduckt - unter dem Motto: Was nicht sein darf, dass nicht sein kann!
Nicht selten gab es dann noch die Diskussion, gedopt werde und wurde vor allem in Osteuropa, in China und sonst wo.
Richtig ist: dort wurde und wird wahrscheinlich AUCH gedopt!
Dies geschieht aber ebenso in hochentwickelten Ländern aufgrund des wissenschaftlichen Standes nicht weniger als anderswo auf der Welt. Bei so manchem 100 Meter-Lauf in der Vergangenheit habe ich gedacht, einige Sprinter kämen direkt aus der Muskelfabrik.
In der Realität hinken leider die Prüfmethoden meist hinter der Spitzentechnologie des Dopings hinterher. Dies wurde ja gerade im Radsport deutlich, wo man offen zugegeben hat, dass Blutdoping in den ersten Jahren nicht nachzuweisen war. Das darf in Zukunft nicht mehr passieren. Zu Recht fordert die FDP mehr Ausgaben in Forschung um den Antidopingkampf in Augenhöhe führen zu können!
Wir können und müssen jedoch einige Rahmenbedingungen aufstellen, die in die normale und faire Spur des Sports zurückführen kann. Neben der Forschung müssen auch die Dopingkontrollen verbessert werden. Weg vom Urintest, hin zum weit effektiveren Bluttest. Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz werden wir das beispielsweise erleben.
All das hat natürlich auch seine Kosten: dafür muss die Finanzierung der NADA in den kommenden Jahren kontinuierlich ausgebaut werden. Die Sponsoren müssen sich ebenfalls – auch im eigenen Interesse – viel Stärker in der Finanzierung des Antidopingkampfes einbringen.
Aber auch über ein paar weitere Grundsätze lohnt es sich nachzudenken und darüber eine gesellschaftliche Diskussion zu führen.
Zählt in Wirklichkeit eigentlich nur noch der Sieg? Sind 2. und 3. Plätze denn schon Verlierer? Nicht selten wird dies in den Medien so dargestellt. Bei der Tour de France wird nur der Etappensieg geehrt. Ein Podest für den 2. und 3. Platz gibt es nicht.
Gehen wir nicht auch in Deutschland schon mit dem olympischen Gedanken falsch um - nur wer eine Medaillenchance hat, darf wirklich zur Olympiade fahren? Eine offene Diskussion über die Qualifikationskriterien für Olympische Spiele muss jetzt möglich sein.
Wer von vorn herein nur auf Siege setzt, wer alle anderen Leistungen ausblendet, darf sich über Doping nicht wundern. Auch im Sport müssen wir zur Normalität zurückkommen.
In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch über Fernsehübertragungen und Sponsoring zu reden. Fernsehübertragungen, die Weltkämpfe hochspielen, weil Weltrekorde angekündigt werden oder hohe Geldbeträge, die für Weltbestleistungen in einem bestimmten Wettkampf gezahlt werden, tragen dazu bei, sich auf ein gewisses Ereignis hin zu dopen. Wir hoffen bei der Tour de France einen kritischen Journalismus zu sehen.
Gezieltes Handeln aller wird hoffentlich dazu betragen, dass der Sport wieder zur „schönsten Nebensache der Welt“ wird. Dann kann man sich auch wieder über einen wahren Sieger und nicht über den besten Arzt oder Chemiker freuen.


